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/Paraschat Ejkew

Parschat Schlach Lecha 5771

Zizit: Schau- oder Erinnerungs-Fäden

Aus DJZ Nr. 22, 22. Siwan 5770, bearbeitet von S. Weinmann

Am Ende dieser Parscha steht die Mizwat Zizit, ein Abschnitt, den wir täglich zweimal dawenen - oder eben ‚heruntersagen’. Sie ist einer der wichtigsten Teile unseres Gebetes, daher muss dieser Abschnitt sicher etwas sehr Wesentliches für das Leben eines Jehudi enthalten.

Sie sollte uns den Anstoss geben, in diesem Zizit-Gebot, das von Chasal (unsere Weisen) allen 613 Mizwot der Tora gleichgestellt wurde, hineinzudenken und ihren Zweck nicht zu vergessen. Der Passuk nennt als Grund für diese Mizwa (Bamidbar 15,40): „Damit ihr an alle meine Gebote denkt und sie haltet und Eurem G“tt heilig seid!“

Man soll sich durch das Anschauen der Zizitfäden an die Pflichten eines Jehudi erinnern (ibid 15,39): „Sie sollen euch als Schaufäden dienen, dass, wenn ihr sie sehet, ihr an alle Gebote des Ewigen denkt und sie haltet...!“ Es stellt sich jedoch die Frage, wie das Sehen dieser ‚einfachen’ Fäden uns an die Mizwot erinnern sollte? Der Talmud hilft uns dabei und erklärt, wie es funktionieren sollte.

Wir haben in der heutigen Zeit nicht mehr das ‚Techelet’, die blaue Farbe, die zur Färbung der Zizitfäden benötigt wurde. Aus irgendeinem Grund führte es G“tt so, dass wir heute nicht mehr sicher wissen, mit welcher Substanz man die Fäden der Tora gemäss färben müsste, und so haben wir schon seit vielen Generationen nur noch weisse Fäden. Im Talmud (Traktat Menachot 43b) wird aber gebracht, dass es die blaue Farbe war, die den Menschen veranlasste, sich an die Mizwot der Tora zu erinnern. Denn diese Farbe gleicht der blauen Farbe des Meeres. Die blaue Farbe des Meeres erinnert den Menschen dann wieder an den blauen Himmel bei der Abenddämmerung. Denkt ein Mensch an den Himmel, wird er sich auch an den ‚Kissej Hakawod’ (Thron G“ttes), der in seiner Farbe dem Himmel gleicht, erinnern und sich somit ständig Haschem vor den Augen halten!

Die Frage ist: warum muss man es so kompliziert machen? Kann man sich nicht gleich durch das Sehen des Techelet der Zizitfäden an den Kissej Hakawod erinnern? Es hat also sicher einen bestimmten Zweck, warum Chasal wollten, dass sich der Mensch auch an den Himmel und auch an das Meer erinnern soll. Diese haben eine eigene Botschaft, an die sie uns erinnern müssen.

Überhaupt ist es von einem Menschen doch recht viel verlangt, dass er sich beim Sehen der Zizitfäden an all diese Dinge erinnert. Wie sollte ihm das dann auch noch den Anstoss geben, sich den ganzen Tag hindurch an alle Mizwot zu erinnern?

Der Kli Jakar lehrt uns, dass der Gedanken an das Meer und an den Himmel hilft, dass sich der Mensch an die Mizwot erinnert. Denn bei diesen beiden Gebilden der Natur können wir sehen, wie ein Mensch sich den Pflichten, die ihm von der Tora festgesetzt wurden, unterwerfen muss.

In Tehilim (Psalm 104,9) heisst es bezüglich der Schöpfung der Meere: „Grenzen hast Du ihnen gesetzt, dass sie sie nicht überschreiten, nicht wiederkehren, die Erde zu bedecken“ Das Meer hat den Drang, über die Grenze, die Haschem ihm bei der Schöpfung festgesetzt hat, hinauszutreten. Seine Furcht vor seinem Schöpfer überwiegt jedoch seinen Willen, die Grenzen zu übertreten, und so hält es seine Wellen ständig zurück (Jalkut Jirmijahu). Aus Furcht wehrt es sich also gegen „seinen Willen“ und unterwirft sich dem Joch von Haschem.

Beim Himmel sehen wir das auch, jedoch in etwas anderer Form. Er hat nicht unbedingt den Drang, sich gegen die Natur zu stellen. Er bringt jedoch Sonne und Mond täglich zum genauen Zeitpunkt herauf und lässt alle Gestirne in ihrer Bahn fahren. Nichts weicht vom festgesetzten Plan ab. Dazu kommt noch, dass er dies alles mit grösster „Freude“ ausführt. So lehrt uns der Jalkut in Parschat Ha’asinu.
Ein Jehudi hat die Pflicht, sich durch die Mizwat Zizit täglich an diese zwei Werke G“ttes zu erinnern. Handelt er so, wie sie es
tun? Hält er sich an die 613 Grenzen, die ihm festgelegt wurden, oder lässt er sich von seinem Willen über die Grenzen hinaustragen? Und auch wenn er sich zumindest in einem Teil in den Grenzen hält, tut er es mit einem Seufzen wie das Meer, oder gibt er seinen Willen mit Freude für Seinen Schöpfer auf?

Unsere weissen Zizit enthalten nicht mehr das Blau. Sie erinnern uns aber – auch durch unser tägliches Gebet – an das Blau, das in den Zizit hätte sein sollen, und diese erinnern uns an die 613 Grenzen, die uns G“tt festgesetzt hat!

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