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Das furchtbare Ergebnis von zwei schlechten Charaktereigenschaften Kin’a (Neid) und Machloket (Streitsüchtigkeit) - Rav Frand zu Paraschat Korach 5780

Das furchtbare Ergebnis von zwei schlechten Charaktereigenschaften

Kin’a (Neid) und Machloket (Streitsüchtigkeit)

Ergänzungen S. Weinmann

Teil 1: Die zerstörerische Kraft von Kin’a (Neid)

Die Parascha dieser Woche – Paraschat Korach – betont das Übel von zwei entsetzlichen Charaktereigenschaften: Neid und Streitlustigkeit. Die erste zerstörerische Charaktereigenschaft, der wir begegnen, ist die Eifersucht. Raschi legt Korachs Motivation für den Beginn seiner Rebellion gegen Mosche Rabbejnu klar dar. Er war eifersüchtig, weil ein jüngerer Cousin der Fürst der Familie von Kehat geworden war.

Raschi erklärt es wie folgt [Bamidbar 16:1]: "Was war es, das Korach zu einem Streit mit Mosche führte? Er war auf die Fürstenwürde von Elizafan, Sohn von Usi’el, den Mosche auf g-ttlichem Befehl zum Fürsten über die Söhne von Kehat eingesetzt hatte [Bamidbar 3:30], eifersüchtig; indem  Korach sagte, die Brüder meines Vaters, mit ihm zusammen, waren vier, so heisst es [Schemot 6:18]: 'Und die Söhne von Kehat waren Amram, Jizhar, Chewron und Usiel'; von Amram, dem Erstgeborenen, erhielten beide Söhne eine Würde, der eine wurde König und der andere Kohen Gadol (Hohepriester). Wer hätte die nächste Würde erhalten sollen (diejenige des Fürsten von Kehat)? Doch ich, da ich doch der Sohn von Jizhar, dem nächsten nach Amram, bin! Mosche hat aber den Sohn des jüngsten von allen Brüdern meines Vaters zum Fürsten eingesetzt; darum streite ich gegen ihn und mache (alle) seine Worte ungültig."

Trotz der Tatsache, dass Chasal (unsere Weisen) erklären, dass Korach ein kluger und weiser Mann war, verlor er die Kontrolle über sich, wegen seiner Eifersucht über die Ernennung von Elizafan, Sohn von Usi’el, zur Würde des Fürsten. Jeder, der Menschen beobachtet, kann sehen, wie die Eifersucht eine Person zu verrückten Extremen treiben kann. Das unersättliche Verlangen nach Kawod (Ehre) kann verursachen, dass Menschen törichte und sogar gemeine Dinge tun, deshalb muss ein Mensch seine Neigung zur Eifersucht bezwingen, um nicht zu selbstzerstörerischem Verhalten getrieben zu werden. Rabbi El’asar Hakappar sagt: [Pirkej Awot 4:28]: "Neid, Genusssucht und Ehrsucht bringen den Menschen aus der Welt". Dies bezieht sich nicht nur auf "Olam Haba" (die kommende Welt), Neid, Genusssucht und Ehrsucht können auch das "Olam Hase" (diese Welt) zerstören. Diese drei Leidenschaften bringen den Menschen in einen feindlichen Gegensatz zur Welt, führen ihn zu allen Sünden und entziehen ihn seiner Bestimmung. Dies ist die Erzählung dessen, was mit Korach geschah.

Die Gemara [Traktat Schabbat 152b] erläutert den Passuk "… uRekaw Azamot Kin’a - Neid führt zum Verfaulen der Gebeine" (Mischlej/Sprüche 14:30). Das Schicksal einer neidischen Person ist, dass seine Knochen zerfallen; im Gegenzug werden die Knochen eines Menschen, der keinen Neid empfindet, nicht zerfallen. Unter normalen Umständen zerfällt der Körper eines verstorbenen Menschen, seine Knochen zerfallen jedoch nicht. Deshalb gibt es ein Skelett. Normalerweise bleiben die Knochen lange nachdem die Haut und das Fleisch verwest sind, intakt. Daher erklärt der Talmud diesen Passuk in Mischlej mit den Worten, dass bei einem Menschen, der während seiner Lebenszeit eifersüchtig war, sogar seine Knochen nach dem Tod zerfallen werden. (Anmerkung des Herausgebers: Die obenerwähnte Gemara bringt eine Geschichte, indem Rav Achai bar Joschija, ein Talmudgelehrter, viele Jahre nach seinem Ableben vollständig ganz in seinem Grab aufgefunden wurde, weil er nie in seinem Leben neidisch war)

Unsere Weisen lehren, dass G-tt "Mida keneged Mida" (Mass für Mass) bestraft. Vielleicht ist die "Mass für Mass"-Bemessung in dieser G"ttlichen Bestrafung (Zerfallen der Knochen) der folgende Gedanke. Wenn es etwas gibt, das das Wesen (Azmiut) eines Menschen darstellt, sind es seine Knochen (Azamot). Das hebräische Wort "Ezem" bedeutet sowohl 'Knochen' als auch 'Wesen'. Somit stellen die Knochen sein Wesen dar. Wenn Neid eine Person verzehrt, will er nicht sich selbst sein. Er will jemand anderer sein. Ein Mensch, der die Würde, das Haus, die Frau, die Macht oder das Geld eines anderen Menschen begehrt, deutet grundsätzlich an, dass er mit dem, was er ist und was er besitzt, nicht zufrieden ist. Kin’a (Neid) stellt einen ernsten Mangel an Emuna (Glauben) dar. Eine neidische Person versteht nicht, dass der Ewige will, dass er dieses Haus, dieses Geld, diese Stelle, diese Kinder und diese Macht, die er besitzt, hat. Das Beneiden eines anderen stellt eine Ablehnung seines eigenen Wesens (Azmiut) dar. Deshalb lehrt uns der Talmud (basierend auf dem Passuk in Mischlej), dass die angemessene "Mass für Mass"-Strafe für eine neidische Person der Zerfall seiner Knochen ist.

Ich habe eine scharfsinnige Anwendung dieses Gedankens im Namen des Maharal Diskin gesehen: Die Gemara [Traktat Nasir 45a] sagt auf den Passuk "Und Mosche nahm die Gebeine von Josef mit sich mit" (Wajikach Mosche et Azmot Josef imo) (Schemot 13:19). Was bedeutet "mit sich" – dies bedeutet "mit sich in seinem Gebiet" (imo beMechitzato), im Lager der Levi’im; dort wo Mosche selbst war, durfte auch der Sarg von Josef sein.

Der Maharal Diskin merkt an, dass der Passuk eigentlich "Wajikach Mosche et Atzmot Josef ito" lauten sollte, denn Josefs Anweisung an seine Brüder, bevor er starb, hatte gelautet "und ihr sollte meine Gebeine itchem (mit euch) mitnehmen". Das entsprechende Pronomen, das darauf hinweisen würde, dass Mosche Josefs Anweisungen erfüllte, hätte also vielmehr "ito", nicht "imo" lauten sollen. Der Maharal Diskin erklärt, dass das Wort "imo" immer "gleichwertig" bedeutet, während "ito", das auch "mit ihm" besagt, nicht unbedingt auf eine Gleichstellung des Ranges hinweist. Die Tora deutet somit an, dass Mosche die Gebeine von Josef mit sich nahm, wie wenn sie gleichen Ranges waren. Was bedeutet dies?

Josef sagte den Benej Jisrael: "Ihr sollt meine Gebeine mit euch mitnehmen" – bedeutend, dass meine Knochen nicht zerfallen werden! Meine Knochen werden intakt bleiben, da ich trotz dem, was meine Brüder mir antaten, nie eifersüchtig auf sie war und sie nie hasste. Der Beweis dafür wird sein, dass eigentlich einer Person, die Eifersucht empfindet, das Schicksal erfährt, dass seine Knochen zerfallen. "Jedoch meine Knochen werden nicht zerfallen", versprach Josef seinen Brüdern. Mosche Rabbejnu nahm diese Lektion mit (imo). In anderen Worten: Mosche Rabbejnu hatte auch eine schwere Zeit mit dem jüdischen Volk in der Wüste. Es geschah so oft, dass Klall Jisrael Mosche grosse Schwierigkeiten bereitete. Der Talmud [Sanhedrin 110a] zur dieswöchigen Parascha sagt sogar (unbegreiflich!), dass jeder Mann im Klall Jisrael seine Frau warnte, mit Mosche Rabbejnu nicht alleine zu sein, implizierend, dass Mosche mit ihnen Ehebruch begehen könnte. Es wäre verständlich, dass Mosche Rabbejnu gegenüber den Mitgliedern von Klall Jisrael Argwohn oder Hass empfinden könnte. Er nahm jedoch "die Gebeine von Josef mit sich". Er nahm – als gleichwertiger Partner – die Lektion von Josef mit sich, es nicht zuzulassen, dass die schlechten Charakterzüge der Eifersucht und des Hasses ihn verzehren.

Teil 2: Die zerstörerische Kraft von Machloket (Streitsüchtigkeit)

Die zweite negative Charaktereigenschaft, die in unserer Parascha verdeutlicht wird, ist die zerstörerische Macht von Machloket (Streitlustigkeit). Dies ist zweifellos das Musterbeispiel dieser zerstörerischen Charaktereigenschaft in der gesamten Tora. Menschen verloren ihr Leben, ihren Besitz und sogar ihre Kinder wegen der Machloket. Raschi bemerkt, dass Machloket die einzige Awejra (Sünde) ist, für die der Ewige Frauen, Kinder und sogar unschuldige Babys bestraft. Machloket ist wie ein Feuer – sie verzehrt alles in ihrem Weg, schuldig oder unschuldig. Feuer diskriminiert zwischen niemandem – es verbrennt alles auf seinem Weg.

Denken Sie nur, wie verrückt diese Leute waren. Mosche Rabbejnu forderte sie praktisch zu einem Duell heraus. Die Chancen standen 251:1, dass keiner von den 251 Leuten (inkl. Korach), die das Ketoret darbrachten, ausgewählt würde. Niemand würde ein solches Wagnis eingehen. Sie taten es aber dennoch, weil die Machloket sie verzehrte.

Ich las einst über den folgenden Vorfall, bei dem der Chafez Chajim hineingezogen wurde: Ein Jude lebte in einem kleinen Dorf und war ein Nachbar des (jüdischen) Bürgermeisters der Stadt. Die beiden gerieten in einen Streit, und wie es die Tendenz mit Machloket ist, verschlimmerte sich diese immer mehr, bis zum Punkt, da die Leute sich "gegenseitig an die Kehle gehen". Der Nachbar sagte zum Bürgermeister, dass er zu den russischen Behörden gehen und über ihn aussagen würde, dass er seinen Einfluss verwendet habe, um Kinder vom zaristischen Militär zu befreien. (Ins Militär des Zars eingezogen zu werden, bedeutete praktisch eine Todesstrafe – jedenfalls einen geistigen Tod – und Leute versuchten mit allen Mitteln - Bestechung und ähnlichem -, dem Militärdienst zu entkommen.)

Dieser Nachbar erzählte seiner Frau, was er zu tun plane. Seine Frau sagte zu ihm: "Bist du verrückt? Einer der Jungen, die der Bürgermeister auf illegale Weise vom Militärdienst befreite, war unser Sohn! Wenn du ihn bei den Behörden anzeigst, könnte unser Sohn eingezogen werden!" Sie sagte ihm, dass das, was er zu tun plane, mit dem Bohren eines Lochs in ein Boot unter dem Sitz eines Gefährten, den man nicht mag, verglichen werden könne. Das gesamte Boot versinkt mit allen Passagieren an Bord!

Der Mann antwortete seiner Frau in seinem Zorn gegen seinen Nachbarn: "Es ist mir gleich, wenn sie meinen Sohn verhaften. Es ist mir gleich, wenn sie mich verhaften. Es ist mir gleich, wenn sie dich verhaften – solange sie ihn bestrafen!"

Menschen handeln immer in ihrem eigenen Interesse. Der Überlebenswille ist normal das grundsätzlichste menschliche Gefühl. Ein Mensch kann jedoch bereit sein, sich selbst und sein eigenes Kind zu opfern, nur damit er "gewinnen und die andere Person vernichten" kann. Dies ist die Macht der Machloket.

Paraschat Schelach Lecha zeigt auf, was das Verlangen nach Kawod (Ehre) bei einem Menschen auslösen kann. Paraschat Korach zeigt auf, was Kin’a (Neid) und Machloket bei einem Menschen verursachen können. Dies ist der Grund, warum die Tora diese Geschichten aufzeichnet. Sie sollten einen Eindruck auf uns machen. Wenn wir diese schlechten Charaktereigenschaften nicht unter Kontrolle halten und sie beseitigen, wenn dies nötig ist, könnten wir - G"tt behüte - später einen teuren Preis dafür bezahlen.

Quellen und Persönlichkeiten:

Raschi (1040-1105) [Rabbi Schlomo ben Jizchak]; Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland); „Vater aller TENACH- und Talmudkommentare“.

Rabbi Moshe Yehoshua Yehuda Leib Diskin (1818–1898), bekannt als "Maharil Diskin", war ein führender RabbinerTalmudist und biblischer Kommentator. Er diente als Rabbiner in Lomza, Mesritsch , Kovno , Schklov , Brisk und Jerusalem, 1881 eröffnete er in Jerusalem das bekannte Diskin-Waisenhaus . 

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Die Bearbeitung der Gedanken dieser Woche erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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