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/Paraschat Wajischlach

Raw Frand zu Paraschat Balak 5779 - Beitrag 2

Keiner ist so blind, wie einer, der nicht sehen will

Ein Vorfall in Paraschat Balak vermittelt uns eine wichtige Lebensweisheit, wenn wir nur innehalten, um darüber nachzudenken. Für mich persönlich ist dies eine der furchterregendsten Mussar-(Moral-) Lektionen, die in der Thora vorkommen.

Dieser Vorfall dreht sich um Bil‘am, einem Menschen von enormer Sprachgewalt. Wen er segnete, der war gesegnet und wem er fluchte, der war verflucht. Es handelte sich um eine mächtige Persönlichkeit. Er führte zwar keine Heeresdivisionen, aber er verfügte über eine fast magische Kraft der Sprache.

Man bat ihn, seine Kraft im Kampf gegen die Juden einzusetzen. Obwohl er wusste, dass G-tt nicht wollte, dass er geht, tat er es trotzdem. Was geschieht unterwegs? Sein Esel stoppt, er weigert sich weiterzugehen, öffnet plötzlich seinen Mund und beginnt mit ihm zu reden. Seit Anfang der Weltgeschichte ist es noch nie vorgekommen – und wird wohl nicht mehr vorkommen -, dass ein Esel zu einem Menschen redet.

Hätte jemand noch Zweifel gehabt, ob er richtig oder falsch gehandelt hat, würde sein Wagen unterwegs anhalten und sagen "geh nicht!" (nicht eine von den auf Band gesprochenen Mitteilungen wie "Sie haben sich nicht angegurtet"); würde dies eine Person nicht dazu bringen, innezuhalten und darüber nachzudenken, ob sie das Richtige tut?

Diese Frage können wir sogar stellen, wenn wir über einen nicht besonders scharfsinnigen Menschen reden. Bil‘am war jedoch ein Weiser; er war ein scharfsinniger Mensch. Wie reagiert ein gescheiter Mensch, wenn sein Esel mit ihm zu sprechen beginnt?

Er hätte sich sagen können: "Die Rede ist meine Stärke. Wer gab mir denn diese Kraft? G-tt. Wie als Beweis hat derselbe G-tt, der mir die Kraft der Rede gegeben hat, soeben meinem Esel die Kraft der Rede gegeben! Der, Der dem Menschen den Mund öffnet oder Der ihn stumm macht …"[Schemot 4:11]. Woher kommt diese Fähigkeit? Mein Reden ist kein grösseres Wunder als das Sprechen meines Esels. Es ist die gleiche, g-ttliche Kraft."

Was hätte Bil‘am daraus lernen sollen? Er war im Begriffe, seine Sprachgewalt falsch einzusetzen und sollte deshalb umkehren. War das nicht sonnenklar? War das nicht eine klar verständliche Botschaft? Hätte ihm das nicht einleuchten sollen? Und doch liess er sich nicht von seinem Vorhaben abbringen.

Nun die Moral von der Geschichte: Wie blind kann ein Mensch doch sein! Hat ein Mensch irgendein persönliches Motiv – sei es Geld, Macht oder was auch immer –, dann kann er im wahrsten Sinne des Wortes blind sein. G-tt kann ihm alles noch so klar aufzeigen, er sieht es einfach nicht!

Das ist es, was so bedenklich stimmt. Ein Mensch sieht auf dem Weg zur Sünde nicht einmal das, was eindeutig vor seinen Augen liegt, auch wenn dies für einen unvoreingenommenen Zuschauer so klar wie Wasser ist! Es ist wirklich beängstigend: Was einem Bil‘am passieren kann, kann uns allen auch widerfahren! Nicht nur Bil‘am`s Sicht kann verdeckt sein, auch wir können mit Blindheit geschlagen sein.

Aus der Geschichte mit Bil‘am können wir folgende bedeutende Lehre ziehen: Keiner ist so blind, wie einer, der nicht sehen will.

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Die Bearbeitung der Gedanken dieser Woche erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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