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/Paraschat Wajischlach

Raw Wein zu Parschat Wa'etchanan 5771

Mosche lehrt uns Akzeptanz

Bearbeitet und ergänzt von S. Weinmann

Wir alle glauben an die Kraft von Gebeten. Es existieren bewiesene Studien, dass eigene Gebete und auch solche anderer, die für einen Kranken, Trauernden und einen Verstörten beten, helfen. Und doch lassen uns Gebete oft unerfüllt und unbeantwortet zurück. Gebete scheinen keine Unglücke, Trauer oder sogar Tragödien abzuwenden.

Wir alle sind schon dieser Herausforderung von unbeantworteten Gebeten begegnet, wenn unsere Hoffnungen und Bitten scheinbar ignoriert und vom Himmel verweigert wurden. Oft ruft dies eine Glaubenskrise im Menschen hervor. König David spricht in Tehillim oft davon. Auch das Buch Ijow (Hiob) behandelt dieses Thema. Und zu einem gewissen Ausmass ist es das Hauptthema in unserer Parscha.

Mosches Gebete werden nicht erhört. Haschem fordert ihn sogar auf, nicht mehr um die Erlaubnis zur Einreise nach Israel zu beten.

„Und ich flehte den Ewigen an, in jener Zeit, und sprach: Haschem, G“tt, Du hast begonnen deinem Diener deine Grösse und deine starke Hand zu zeigen, gibt ist denn einen Herrscher im Himmel und auf Erden, der es deinen Werken und deiner Macht könnte nachtun? Lass mich doch hinübergehen und sehen das gute Land jenseits des Jordans... der Ewige aber war erzürnt… und sprach: Genug! rede mit mir nicht mehr von dieser Sache!“ (Dewarim 3, 23-26)

In Haschems Weigerung, Mosches Gebete zu beantworten oder sogar weiter zuzuhören, liegt etwas Endgültiges. Mosches Gebete, welche sein Volk, seinen Bruder, seine Schwester und andere vor der Wut des Himmels gerettet haben, können nichts für ihn selbst bewirken.

Die Weisen des Talmud sagen (Berachot 5b, Nedarim 7b…): “Der Gefangene kann sich nicht selbst, alleine, aus seiner Gefangenschaft befreien.” Mosche wird sein geliebtes Volk nicht in das versprochene Land lsrael führen. Seine Zeit ist zu Ende und sein Gebet wird unerfüllt bleiben (bis zum Auferstehen der Toten). Über dieser Parscha schwebt also ein Ton unausweichlicher Trauer.

Während dem Jahrtausend jüdischer Kommentatoren und Erklärungen auf die Tora wurden viele Gründe gegeben, weshalb Mosches Gebete so endgültig und rundweg verweigert wurden. Unter ihnen diejenige, dass die Zeit für Jehoschuas Führung gekommen war und dass “die Dominion eines Herrschers sich nicht mit der Herrschaft seines Nachfolgers überschneiden kann, auch nicht um eine Haaresbreite!” (Talmud Traktate Berachot 48b, Schabbat 30a…)

Eine zweite Idee bringt der „Meschech Chochma“ (Dewarim 4,21) und beweist es anhand der Satzreihenfolge, in der Mosche über seine Strafe spricht, nicht in das Land Israel – wegen den Kindern Israels – eintreten zu dürfen. Mosches Bemerkung über seine Strafe ist inmitten des Abschnittes, in der er über das Verbot des Götzendienstes spricht.

Am Ende der Wüstenwanderung lebte eine neue Generation, die gänzlich unter Mosches Führung aufgewachsen war. Die alte Generation, die mit Mosche aus Ägypten auszog, war bereits ausgestorben. Der neuen Generation erschien Mosche als übermenschliche Figur, vierzig Jahre lang vollbrachte er vor ihren Augen ein Wunder nach dem andern. Deshalb befürchtete der Allmächtige, dass Mosche der neuen Generation, die in das Land eintrat, dort als eine Art Gott erscheinen würde, wie in der heidnischen Welt, die regelmässig Menschen vergötterte, besonders nationale Führer. Deshalb durfte er - um der Bnej Jisrael willen - sie nicht in das Land Israel führen.

Ein weiterer Gedanke steht im Midrasch: Ein Hirte, der treu die Königs Herden hütet, gibt jeden Abend dem König ein Bericht ab, über dessen geliebten Tiere. Nun verschwand plötzlich das Vieh des Königs. Der Hirte schämt sich nun zum König zu kommen, da die Tiere verloren sind. So auch Mosche, der als treue Hirte G“ttes, eine ganze Generation aus Mizrajim geführt hatte, stand jetzt plötzlich ohne diese Herde da. Deshalb ziemt es sich nicht, dass Mosche ohne seine Herde in des Königs Palast (Erez Jisrael) kommen solle. Erst wenn seine Herde wieder da ist (nach dem Auferstehen der Toten) wird Mosche mit ihnen ins Land kommen.

Wie gerechtfertigt diese Ideen auch sind, die Wahrheit ist doch, dass wir Haschems Gedanken nicht lesen können. Lebende Menschen, die Grenzen haben, können nie den Unbegrenzten verstehen. So müssen wir uns damit zufrieden geben, in unserer Suche nach den Gründen für unbeantwortete Gebete, nicht zufrieden gestellt zu sein.

Unsere wahre Zuflucht liegt im Glauben und dem Akzeptieren des Unverständlichen. Dies schwächt in keiner Art unsere Entschlossenheit und die Notwendigkeit zu beten. Es senkt nur unsere Erwartungen und schwächt unsere Anmassung, dass Haschem irgendwie unseren Wünschen und Bitten folgen muss. Mosches Vorbild dient uns allen als Lektion.



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