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/Paraschat Ejkew

Raw Frand zu Parschat Schoftim 5772 (Beitrag 1)

Je "grösser" der Mensch, desto glücklicher ist er

Die Parscha zitiert verschiedene Gründe, warum bestimmte Gruppen vom Militärdienst befreit wurden. "Die Beamten sollen zum Volk sprechen und sagen: "Gibt es unter euch einen Mann, der ein neues Haus gebaut und es noch nicht eingeweiht hat, der gehe und kehre nach Hause; er könnte im Krieg sterben und ein anderer es einweihen." [Dewarim 20:5]

Zu diesem Passuk (Vers) gibt es eine hochinteressante Raschi-Erklärung. Raschi erklärt, dass "dies für einem Menschen etwas sehr Betrübendes ist."

Man könnte noch verstehen, wenn die Torah gesagt hätte, dass diese Befreiung gewährt wird, weil es für einen Mann schlimm ist, wenn er ein neues Haus gebaut hat und nie dazu kommen würde, es einzuweihen und zu bewohnen. Das wäre sehr betrüblich. Aber das sagt die Torah NICHT. Die Torah sagt nämlich: „er könnte im Krieg sterben und ein ANDERER es einweihen."

Raschi betont, dass der Gedanke, dass ein Anderer in seinem Hause wohnen wird, einem Menschen ganz besondere Unzufriedenheit bereitet. Welche Ironie! Die Tragödie "nur" im Krieg zu sterben, genügt nicht, um eine Militärdienstbefreiung zu erhalten. Nein, der Gedanke, dass ein Anderer in seinem Haus wohnen würde, ist für ihn das Unerträgliche! Das würde ihn verrückt machen. Das ist es, was seine Moral derart zunichte machen würde, dass er nicht mehr sinnvoll als Soldat eingesetzt werden könnte. Die Torah ist sich dieser Tatsache bewusst und befreit einen solchen Soldaten vom Dienst, weil er sonst die Moral seiner ganzen Armeeeinheit zum Schlechten beeinflussen würde.

Raw Jehuda Leib Chassman macht auf diesen Raschi-Kommentar aufmerksam und betont, dass sich die Torah mit bodenständigen Dingen befasst. Das ist die menschliche Natur. Die Aussicht, nie in dem Haus, das man sich gebaut hat, wohnen zu können, bringt einen Menschen vielleicht gar nicht so sehr aus der Fassung. Aber der Gedanke, ein Haus zu bauen, nie darin zu leben und obendrein damit rechnen zu müssen, dass ein Anderer darin wohnen könnte, ist zuviel des Guten.

Raw Chassman betont, dass wir eine andere Sichtweise hätten, wenn wir geistig und charakterlich hochstehendere Menschen wären. Wir würden anders denken, wenn ein Anderer in unserem Haus wohne. Wir würden uns sagen: "Wenn ich schon nicht in diesem Haus leben kann, so soll doch wenigstens der Andere darin wohnen können." Das meint Raschi, wenn er sagt, dass es nicht unbedingt ein menschlicher Charakterzug ist "grosses Ungemach zu haben." Das Ungemach rührt von unseren eigenen schlechten Charaktereigenschaften (Midot) her. Mein persönlicher Mangel an geistiger Grosszügigkeit bringt meine Bitterkeit hervor.

So geht es mit vielen Dingen im Leben:
Je bessere Charakterzüge ein Mensch besitzt, desto grösser ist er als Geber.
Je grösser er als Geber ist, desto grosszügiger ist er.
Je grosszügiger er ist, desto weniger egozentrisch ist er.
Je weniger egozentrisch ein Mensch ist, desto glücklicher ist er.

Der grösste Anreiz für einen Menschen, weniger egozentrisch zu sein, besteht nicht darin, dass er damit auf die Stufe eines Gerechten (ein "Zaddik") aufsteigt. Nein! Der grösste Antrieb für einen Menschen, weniger selbstsüchtig zu sein, ist, dass er dadurch ein glücklicherer Mensch wird. Er wird glücklicher, weil er nicht dauernd von seinem Neid und seinem Egoismus "zerfressen" wird.


Quellen und Persönlichkeiten:

  • Raschi (1040 - 1105) [Rabbi Schlomo ben Jizchak]; Troyes (Frankreich) und Worms (Deutschland); „Vater aller Torakommentare“.
  • Raw Jehuda Leib Chassman (1869 – 1935) [Or Jahel]; Maschgiach der Chevron - Jeschiwa, Israel.

 

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