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/Paraschat Ki Tawo

Rav Frand zu Parschat Ki Teze 5771

Jefat Toar: Die Ausnahme bestätigt die Regel

Parschat Ki Teze beginnt mit einem schwer verständlichen Gesetz der Tora nämlich mit den Geboten bezüglich der „Jefat Toar“ (eine Frau von schöner Gestalt). Die Tora sagt: „Wenn du gegen deine Feinde in den Krieg ziehst, und der Ewige, dein G“tt, sie in deine Hand gibt, und du unter ihnen Gefangene machst. Und du unter den Gefangenen eine Frau von schöner Gestalt erblickst und nach ihr Verlangen trägst, und du sie dir zur Frau nimmst…" [Dewarim 21:11].

Der Talmud diskutiert die Reihenfolge der erlaubten Beziehung im Hinblick darauf, ob sie vor oder nach dem Übertritt erfolgt, aber zumindest gemäss einigen Meinungen, lässt die Tora eine jüdische Person mit einer nichtjüdischen Frau (mindestens einmal) zusammenleben, noch vor ihrem Übertritt. Diese Nachgiebigkeit ist verwirrend und scheint im Gegensatz zu anderem zu stehen, was uns die Tora vorschreibt. Dies ist noch unverständlicher, wenn wir es im Kontext der rabbinischen Lehre am Ende der letzten Parscha betrachten. Dort steht im Passuk bezüglich den jüdischen Soldaten, die in den Krieg ziehen: "Die Aufseher sprechen zum Kriegsvolk: Wer ist der Mann, der sich fürchtet und zagen Herzens ist? Er mag gehen und heimkehren (von der Front)." [Dewarim 20:08]. Rabbi Jose Hagelili sagt, dass dies Menschen sind die sich wegen ihren Sünden, die sie begangen haben, fürchten in den Krieg zu ziehen. Wenn alle, die auch nur ein bisschen Angst hatten, ihre Sünden könnten die Ursache ihres Unterganges sein, vom Militärdienst befreit wurden, so mussten die verbleibenden Soldaten äusserst fromm gewesen sein. Wie kann es dann sein, dass die Tora angesichts einer solchen Armee, das Gesetz von Jefat Toar benötigt?

Der Krieg ist ein Umfeld, das wir nie kennenlernen sollen. Es ist eine menschenunwürdige Erfahrung, die dem Menschen Verrücktes antut. Man muss nur die Zeitung lesen und die Nachrichten hören, um über die Missstände zu hören, die in jüngster Zeit stattgefunden haben, in und um Situationen von Krieg und Konflikt. Der Krieg hat eine verderbliche und ätzende Wirkung, sogar auf Menschen, die geistig höher stehen. Deshalb kann so etwas geschehen, wie "du wirst sie unter den Gefangenen sehen und nach ihr Verlangen haben".

Raschi zitiert den Talmud [Kidduschin 21b], und verwendet den Ausdruck "Die Tora spricht hier nur als ein Zugeständnis an den bösen Trieb. Würde die Tora nicht zulassen, dass die Beziehung erlaubterweise geschieht, so würde der Soldat sie in einer verbotenen Art nehmen".

Ich sah eine sehr interessante Beobachtung von Raw Jecheskel Abramsky sz"l. Der talmudische Ausdruck ist "Lo dibra Tora ela K'NEGED Jezer Harah "(wörtlich: die Tora sprach nur GEGEN den bösen Trieb). Wenn die Tora hier ein Zugeständnis an den bösen Trieb machte, sollte dann nicht "Lo dibra Tora ela B'AD (ZUGUNSTEN des) Jezer Harah" die Formulierung sein? Raw Abramsky antwortet, dass dieses Gesetz wirklich gegen den Jezer Harah ist. Manchmal stehen wir im Leben vor Situationen, die uns mit extremer Versuchung konfrontieren, unseren schlechten Neigungen nachzugeben. Eine kleine Stimme hinten in unserem Kopf, sagt: "Hör zu, dies ist unmöglich. Kein Mensch kann dieser Versuchung widerstehen. Tu es, denn es ist unmöglich dem zu widerstehen." Die kleine Stimme versucht uns davon zu überzeugen, dass Haschem versteht, dass es zu schwer ist, einer solchen Versuchung zu widerstehen, und deshalb ein Auge zudrücken wird.

Diese Parscha konfrontiert diese kleine Stimme und spricht GEGEN sie. Diese Parscha sagt uns, dass es eine Situation gibt, und nur diese eine Situation, wenn die Versuchung zu gross ist, um ihr zu widerstehen, dass der Allmächtige, das Unmögliche erkennt und deshalb toleriert und sogar ein Verhalten duldet, das normalerweise verboten wäre. Nur in der Situation einer "Jefat Toar" in Kriegszeit, anerkennt die Torah, dass es notwendig ist sozusagen "ein Auge zuzudrücken" und damit dem bösen Trieb nachzugeben. Haschem selbst hat sich jedes Szenario, das einem Menschen zustossen könnte, vorgestellt, und sagt uns, dass Jefat Toar die einzige Ausnahme zur Regel ist.

Als die Juden in den 1920er und 1930er Jahren nach Amerika kamen, wurden sie mit der Herausforderung konfrontiert, dass "du entweder am Samstag arbeitest oder sonst auch am Montag nicht kommen musst." Dies waren die Tage vor Essensmarken und Sozialhilfe. Wenn sie nicht arbeiteten, so würden sie kein Essen auf dem Tisch haben. Konnten sie die Miete nicht bezahlen, so wurden sie auf die Strasse gesetzt. Der Jezer Harah kam zu vielen Menschen und sagte ihnen: "Es ist nicht möglich. Du kannst nicht zulassen, dass deine Familie hungert."

Wir können uns Situationen vorstellen, in denen Menschen mit geistigen Herausforderungen konfrontiert werden, die über ihren menschlichen Fähigkeiten zu sein scheinen. Der Jezer Hara kommt zu uns und sagt uns: "Diese Situation ist anders. Hier darfst du gegen das Gesetz verstossen. Es ist zu schwer zu erfüllen."

Genau für diese Situationen, so der Talmud, spricht der Fall der Jefat Toar GEGEN den bösen Trieb. Die Tora spricht gegen den schlechten Trieb in allen anderen Szenarien. Nur bei der Jefat Toar ist es zu schwierig. Dieses Argument kann nicht anderswo verwendet werden.



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