Elul
/Paraschat Ki Tawo

Gedanken zu Paraschat Ki Teze 5772

Mirjam nicht vergessen!

Aus „Die Jüdische Zeitung“, Nr. 36, 10. Elul 5771 / 9. Sept. 2011

Wir sind alle „krank“. Das ist nicht die Diagnose eines Arztes, sondern eines der grössten Gedolim der letzten Generationen. Der Chafez Chajim meint damit natürlich nicht körperliche Krankheiten, sondern sprach von einer Krankheit unserer Neschama (Seele). Er sprach dabei auch nicht einfach von regulären Awerot (Sünden), die unsere Seele krank machen, sondern hauptsächlich von einer spezifischen Sünde. Weshalb stellte er das fest? Er machte eine sehr logische Überlegung. Das zweite Bet Hamikdasch wurde von Hkb“H zerstört, weil der Klall Jisrael an einer spezifischer Sünde erkrankte. Solange der Klall Jisrael noch im Galut (Exil) ist und noch nicht den S’chus (das Verdienst) hatte, ein neues Bet Hamikdasch in seiner Mitte zu haben, beweist das klar, dass diese Krankheit noch nicht geheilt ist!

Haben wir diese Tatsache realisiert und ist uns klar, dass eine Krankheit geheilt werden muss, dann haben wir damit schon den ersten Schritt zur Genesung getan. „Der nächste Schritt“, sagt der Chafez Chajim, „ist die Analyse der Krankheit. Dabei hilft uns die Gemara (Traktat Joma 9b), die klarlegt, dass beim zweiten Bet Hamikdasch, im Gegensatz zum ersten Bejt Hamikdasch, nicht die drei schwersten Sünden begangen wurden, sondern ‚lediglich‘ ‚Sin’at Chinam‘.

Die Hauptursachen, die dazu führen, dass man eine andere Person hasst, sind Laschon Hara (üble Nachrede) und ähnliche Awerot. Andererseits kommt ein Mensch auch nur dazu, über eine andere Person etwas Schlechtes zu sagen, weil er die andere Person in einem gewissen Mass hasst. Liebt man eine Person vollkommen, dann ist es kaum möglich, über sie etwas Schlechtes zu erzählen. Man wird kaum etwas Schlechtes sehen können!“

Da wir nun wissen, was unsere grosse ‚Galut-Krankheit‘ ist, stehen wir vor der grossen Aufgabe: Wir müssen sie heilen! Alles bisher Gesagte ist vielen Leuten bekannt. Der Chafez Chajim konnte dies in grossen Teilen von Klall Jisrael bekannt machen. Die Leute lassen sich aber nur schwer von dieser Krankheit heilen. Denn schliesslich ist es eine schwere und langwierige Prozedur, bis man von dieser Krankheit vollständig genesen ist.

Wir lieben doch ‚Wundermittel‘. Existieren diese nicht, gibt man schnell auf.

Der Chafez Chajim enthüllt uns, dass es ein solches Wundermittel gibt! Und zwar ist es nicht bloss eine Arznei des Chafez Chajim, sondern ein deutlicher Passuk der Tora! Der
Passuk in Parschat Ki Teze (24,9) lautet: „Gedenke, was der Ewige, dein G“tt, Mirjam getan, auf dem Weg, da ihr aus Mizrajim zoget!“ Dieser Passuk wird von vielen Jehudim täglich gesagt. Es ist einer der „Schesch Sechirot - sechs Pessukim des Gedenkens“, die wir jeden Tag sagen sollen.

Der Chafez Chajim erklärt aber in seinem Sefer ‚Sechor LeMirjam‘, dass dieser Passuk viel mehr beinhaltet. Er dient uns als Ratschlag, wie man sich von solch einer Tat, wie Mirjam sie begangen hat, fernhalten kann. Er zitiert Raschi, der sagt, dass das Gebot von ‚Erinnern‘ jeweils dann gilt, wenn die Gefahr besteht, dass man etwas vergisst. Demnach würde das hier bedeuten, dass man sich an Mirjams Bestrafung erinnern soll, sobald man ein Gespräch führt und die Gefahr besteht, dass man Laschon Hara sprechen könnte. In diesem Moment sollte man daran denken, wie schlimm Mirjam bestraft wurde. Sie musste in zerrissenen Kleidern, vollständig isoliert, ausserhalb der Wolken, von allen verachtet, auf einem offenen Feld sitzen und allen Leuten zurufen, dass sie unrein ist. Stellt man sich diesen Zustand vor, wird man keine Lust mehr haben, Laschon Hara zu erzählen oder zu hören.

Man soll auch nicht vergessen, um welch grosse Person es sich hier gehandelt hat! Man könnte annehmen, dass die vielen Sechujot (Verdienste), die Mirjam hatte, sie von einer Bestrafung für eine einzelne Sünde beschützt hätten. Das war aber nicht der Fall. Es nützt dem Menschen also gar nichts, selbst wenn er ein grosser Zaddik (frommer und rechtmäßiger Mensch) ist!

Es ist also ein leicht einnehmbares, grossartiges Wundermittel! Man muss sich nur darüber Gedanken machen, und dann versichert uns die Tora, dass wir von dieser schweren Krankheit unserer Neschama genesen werden.

Der Chafez Chajim fügt hinzu, dass es fromme Menschen gibt, die sich einen Zettel auf den Tisch legen, auf dem steht: „Erinnere dich, was Haschem Mirjam tat!“

Man darf jedoch nicht vergessen, dass nicht immer gleich beim ersten Mal eine Besserung eintritt. Man benötigt viel Übung und Geduld, allmählich wird man aber sicher geheilt werden!

 

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