Der Monat Cheschwan / Mar-Cheschwan / Bul

Vor über 4100 Jahren, im Jahre 1656,  begann in diesem Monat der Mabul (die Sintflut).

Cheschwan ist der zweite Monat des neuen Jahres, wird aber in der Torah der achte genannt, weil man mit Nissan zu zählen anfängt. Dieser Monat wird im Tanach "Bul" genannt. Im ersten Buch der Könige (Melachim I, 6, 38) heisst es: "Und im elften Jahre, im Monat Bul, das ist der achte Monat, war das Haus (der Tempel) fertig..."

Im Midrasch (Jalkut Schimoni Melachim 184) und zusätzlich in Raschi (Melachim I, 6, 38)  werden insgesamt vier Gründe angegeben, warum dieser Monat Bul heisst: Erstens, weil in diesem Monat die Sintflut (im Hebräischen Mabul) begann.  Zwei weitere Gründe, weil in diesem Monat alle Blätter auf den Bäumen und alles Gras auf den Feldern welken (im Hebräischen Balo)und das Futter für das Vieh im Haus gemischt wird (im Hebräischen: Balol). Viertens, die Erde wird durch die abfallenden Blätter verunstaltet (im Hebräischen: Niwul).
Andere wieder meinen, das Wort „Bul“ käme von „Jewul“ – Ertrag, denn während dieses Monats beginnt im Lande Israel das Pflügen und das Pflanzen.

Seit der Rückkehr der Verbannten aus dem babylonischen Exil erhielt dieser Monat den Namen Cheschwan. Man nennt ihn auch Mar-Cheschwan und dies aus zwei Gründen. Während dieses Monats gibt es weder Feste noch Feierlichkeiten. In diesem Monat geschahen aber viel Unheil und Missgeschick für Israel. Am 15. des Monats führte Jerow’am, der erste König über Malchut Jisrael (zehn Stämme), ein neues Fest ein, und dies erweckte g“ttlichen Groll gegen Israel. Am fünften des Monats schlachteten die Babylonier die Söhne von Zidkijahu, des letzten Königs Jehudas, vor seinen eigenen Augen. Dem König Zidkijahu stachen sie dann die Augen aus, legten ihn in Ketten und brachten ihn nach Babylonien. In diesem Monat strafte G“tt die Menschheit mit der Sintflut und vernichtete die ganze Welt. Darum nennt man diesen Monat „Mar“-Cheschwan, einen bitteren Monat; Mar bedeutet im Hebräischen bitter.

Hauptsächlich aber nennt man ihn „Mar“-Cheschwan anspielend auf die besondere Verbindung des Monats zum Regen. So betrachtet heisst das Wort „Mar“ – Wassertropfen – so heisst es in Jeschajahu (40, 15): „Siehe die Nationen gleichen einem Wassertropfen (ke’Mar) aus einem Eimer“. Der siebte Cheschwan ist der Tag, an dem die Juden in Israel für Regen zu beten beginnen, nachdem dort den ganzen Sommer hindurch kein Regen gefallen ist.

Eine Unvollkommenheit, die in Zukunft wieder hergestellt wird

Obwohl es im Cheschwan keinen Feiertag gibt, hätte zur Zeit des Königs Salamon (Schlomo Hamelech) in diesem Monat ein Fest eingeführt werden sollen. Nachdem er nach siebenjähriger Arbeit den Tempel errichtet hatte, beendigte er den Bau in diesem Monat (Melachim I, 6, 38): "Und im elften Jahre, im Monat Bul, das ist der achte Monat, war das Haus (der Tempel) fertig..." Er hatte sieben Jahre lang daran gearbeitet. Ganz Israel wartete auf die Einweihung des Tempels. Schlomo wartete auf G“ttes Befehl, aber kein Befehl kam. Während elf Monaten blieb der Tempel geschlossen, bis der Tischri kam, und dann erst wurden die Einweihungsfeierlichkeiten während des Monats angeordnet. So gesehen verlor Cheschwan seinen Jom Tov, und Tischri gewann ihn.

Trotz all dem bleibt die Tatsache bestehen, dass im Cheschwan der Tempelbau beendet wurde. Während 1319 Jahren, von der Sintflut (im Jahr 1656) bis zum Fertigstellen des Tempelbaus (im Jahr 2975), war die Welt vom 17. Cheschwan bis zum 28. Kislev (die vierzig Tage der Flut) immer von Angst und Schrecken erfüllt. Doch als der Tempelbau beendet war, übte der Monat Cheschwan keine Furcht mehr bei den Menschen aus. Darum nahm man den Buchstaben „Mem“, dessen Zahlenwert 40 ist (vierzig Tage der Flut), von dem Wort Mabul weg und dieser Monat wurde nunmehr „Bul“ genannt.

Im Midrasch (Jalkut Schimoni Melachim 184) steht: ...und Marcheschwan wird einst für seinen Verlust (der Tempeleinweihung) von G"tt entschädigt werden, (mit einem eigenen Feiertag).

Wollen wir gemeinsam beten, dass diese Entschädigung im diesjährigen Cheschwan, durch die Einweihung des dritten Tempels, geschehen soll.

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