Der Monat Nissan (Aus Sefer Hatoda’a / Das Jüdische Jahr. Bearbeitet und ergänzt von S. Weinmann)

 

Ein Monat der Erlösung

Das Wort 'Erlösung' wird nur dann erwähnt, wenn es sich um ein Hinausgehen aus der Dunkelheit zum Licht handelt. Ein Mensch, der nie das Leid der Versklavung und der Unterdrückung verspürt hat, ist nicht imstande eine Erlösung zu schätzen. Um den wahrhaften Sinn von Erlösung zu verstehen, muss man das Gefühl der Freiheit haben, das man nach der Unterdrückung verspürt. Wären die Benej Jisrael nie versklavt gewesen, so hätten sie nie wahre Freiheit erlebt. Die Versklavung selbst war es, die eine Erlösung hervorbrachte. Nur aus der Finsternis kann das Licht hervorbrechen! So sagten unsere Weisen: Die Benej Jisrael sprachen zu dem Heiligen, gelobt sei Er: Herr der Welt, wann wirst Du uns erlösen? Da antwortete Er: Erst wenn ihr in die tiefste Stufe gesunken seid, kann Ich euch erlösen. (Jalkut Hoschea 533)

Als Jizchak geboren wurde, sagten alle: Dieses Kind ist als Sklave geboren, denn G'tt hat ja zu Awraham gesagt: 'Ki Ger Jihje Saracha - ein Fremdling wird dein Nachkomme sein'. Jizchak wurde aber der Stammvater einer Nation, die Erlösung und Freiheit erfahren durfte.

Auch bei der 'Akeda' - als Jizchak auf den Altar gebunden wurde, schien es, als ob Awrahams Nachkommen für immer aus der Welt verschwinden sollten. Doch gerade die Bindung Jizchaks ist zur Quelle eines Privilegs geworden. Jizchaks Verdienst war es, den kommenden Generationen zu ewigem Bestand zu verhelfen.

Als Jakow Essaws Kleider anzog, um den Segen seines Vaters zu erhalten, fürchtete er sich, als Betrüger in den Augen seines Vaters zu erscheinen, und glaubte so, einen Fluch statt einen Segen auf sich zu laden. Doch als er dann hinausging, war er mit Segen für sich und die kommenden Generationen überhäuft.

So ist es immer in der Geschichte Israels. Nach Not und tiefem Leid kommt Errettung und Licht. Je grösser das Leid, umso heller erstrahlte das Licht danach! Auch die kommende Erlösung wird das Dunkel durchbrechen. In dem Augenblick, in dem jedes Herz verzweiflungsvoll zittert, wird G'ttes Herrlichkeit erstrahlen. Und wann wird dies sein? Im Monat Nissan, den G'tt zur Erlösung bestimmt hat. Wie gross auch das Unglück sein möge, das Israel in diesem Monat geschieht, ist es nichts anderes als ein Zeichen für den Beginn der Erlösung.

So verbinden auch unsere Weisen den Vers' Hachodesch Hase... - dieser Monat sei euch ... ' mit den Versen in Tehillim
(33, 11): 'Azat Haschem Leolam Taamod... - der Rat G'ttes wird immer Bestand haben...' und 'Aschrej Hagoi, Ascher Haschem Elokaw - wohl dem Volk, das den Ew'gen seinen G'tt nennt.' (ibid . 33, 12) Als der Heilige, gelobt sei Er, diese
Welt erwählt hatte, setzte er Monate und Jahre für immer fest: 'G'ttes Rat hat für immer Bestand'. Als er Jakow und seine
Söhne auserwählte, hat Er für sie einen Monat der Erlösung bestimmt, einen Monat, in dem Israel aus Ägypten erlöst
werden wird, einen Monat, in dem sie auch die endgültige Erlösung erleben werden. In diesem Monat wurde Jizchak geboren, und in diesem Monat wurde er auf den Altar gebunden. In diesem Monat erhielt Jakow seinen Segen und in diesem Monat deutete G'tt Israel an, dass Nissan der Anfang ihrer Erlösung sein werde. Denn es heisst: 'Es sei euch der erste der Monate des Jahres' und darum heisst es auch: 'Aschrej Haam Schehaschem Elokaw - glücklich das Volk, dessen G'tt der Ew'ge ist.' (Schemot Rabba 15)

 

Rosch Werischon - Der Kopf und der Erste

Der Monat Nissan wird 'Der Kopf der Monate' genannt, damit man alle anderen Monate nach ihm aufzähle. Warum ist dies so? Der Tag der Erlösung ist wichtiger als der Tag der Geburt, und Erlösung ist ein Ereignis, das alle anderen Geschehnisse in den Schatten stellt. Bevor Israel aus Ägypten zog, pflegten sie die Zeit vom Schöpfungstage an zu zählen, oder auch von der Welterneuerung an nach der Sintflut. So heisst es: 'Zwei Jahre nach der Sintflut' (Bereschit 11, 10). Auch die Geburt Awrahams oder der Bund - Brit Bejn Habetarim - wurden zum Anhaltspunkt der Zeitrechnung: 'Und es war am Ende von 430 Jahren...' (Schemot 12,41). Sobald aber das Volk aus Ägypten befreit herauszog, wurden all diese Zeitrechnungen
nicht mehr benutzt, man zählte dann nur noch von der Befreiung an: 'Dieser Monat sei für euch Anfang der Monate.'

Man kann dies mit einem König vergleichen, der ein grosses Fest bereitete, als ihm ein Sohn geboren wurde. Dieser Sohn geriet in Gefangenschaft für einige Zeit. Als er dann durch Lösegeld wieder frei wurde, bestimmte der König diesen Tag als Jahrestag. Bevor Israel nach Ägypten hinunterzog, pflegten sie die Jahre bis zum Beginn der Unterjochung zu berechnen, d.h. sie zählten vom Bund mit Awraham an, um festzustellen, wieviele Jahre schon vorbei sind von den vorausgesagten 400 Jahren der Knechtschaft. Doch vom Tage ihrer Befreiung an, nachdem G'tt ihnen all die Wunder hat geschehen lassen, begannen sie die Zeit mit dem Monat ihrer Erlösung zu zählen: 'Dieser Monat sei euch Anfang der Monate.' (Schemot Rabba 15)

'Der Erste sei er für euch.' Alles was mit Erstem bezeichnet wird, ist für euch, für euer Wohlergehen. Es ist dann unwichtig, ob die Sache an sich gut oder schlecht ist, für euch ist sie gut. Das Erste ist immer für euch - zu eurem Nutzen.

'Der Erste sei er für euch' ist auch eine Andeutung für G'tt, den Ersten. So steht in Jeschajahu 44, 6: 'Ich bin der Erste...' Auch Zion wird Rischon - das Erste genannt' ... Marom Merischon Mekom Mikdaschenu .. .' (Jirmijahu 17, 12) Essaw wird ebenfalls 'der Erste' genannt: 'Wajeze Harischon... ' (Bereschit 25, 25) Auch der Maschiach heisst 'der Erste', denn es heisst: 'Rischon Lezion... - der Erste für Zion, siehe er kommt...' (Jeschajahu 41, 27) Der Heilige, gelobt sei Er, der der Erste genannt wird, wird kommen, um das Bejt Hamikdasch, das das Erste genannt wird, wieder aufzubauen. Er wird Essaw, der auch der Erste genannt wird, die gerechte Strafe geben. Dann wird Maschiach, der auch 'Erster' genannt wird, kommen, und dies im ersten Monat. 'Dieser Monat sei euch der Erste...' (Schemot Rabba 15)

 

Einige Erklärungen unserer Weisen späterer Zeit zu Paraschat Hachodesch

Der Unterschied zwischen Schana - Jahr und Chodesch - Monat. Das Wort 'Schana' - ein Jahr steht in sprachlichem Zusammenhang mit 'Jaschan' - alt, und auch 'Schenna' - Schlaf. Dies bedeutet, dass alles in ihm schon von der Zeit der Schöpfung festgesetzt war. Dies deutet auch darauf hin, dass alle Naturgesetze vom Schöpfer der Welt stammen, und dass es weder Änderung - Schinnui - noch Erneuerung - Chiddusch - gibt.

Das Wort 'Chodesch' - Monat - kommt von 'Chiddusch' - Erneuerung. Dies bedeutet, dass alles, was wir im Augenblick erkennen, nicht unbedingt auch in der Zukunft so sein wird, sondern, dass wir auch Erneuerung erwarten können. Dies ist ein Hinweis für Wunder und übernatürliche Erscheinungen, die der Heilige, gelobt sei Er, seinen Geschöpfen offenbart, um zu zeigen, dass Er der Herr der Welt ist.

Der Unterschied zwischen Israel und den anderen Völkern. Für die Völker der Welt ist das Jahr Wegweiser und Sinnbild für Weltordnung. Für sie bedeutet die Weltschöpfung der Zeitpunkt, der sie an die Naturgesetze bindet, die für alle Zeiten unabänderlich sind. Doch für Israel hat G'tt in gewissen Situationen die Regeln gebrochen, und ihnen durch Wundertaten neue Wege gewiesen, und so konnte auch die Befreiung aus Ägypten bewirkt werden. Denn Er erkor sich eine Nation aus der Mitte einer anderen Nation, indem er Prüfungen, Zeichen, Wundertaten und Kriege stattfinden liess. Mit starker Hand , mit ausgestrecktem Arm und mit Schrecken offenbarte Er seine g'ttliche Anwesenheit. Auch in den späteren Generationen sind diese Wunder immer wieder in Erscheinung getreten.

Für die anderen Nationen bleibt nur 'Rosch Haschana - der Kopf (Anfang) des Jahres' als Erinnerung an die Schöpfung der Welt. An diesem Tage wird über alle Nationen Gericht gehalten. Für Israel aber gibt es andere Jahresanfänge, andere 'Köpfe - Anfänge', z.B. Rosch Chodesch, den Monatsanfang. Von diesen ist einer der Anfang aller Monatsanfänge: der Monat Nissan. In jedem Monat erwartet Israel Erneuerung seiner Kräfte, sei es durch natürliche oder übernatürliche Mittel. Doch im Monat Nissan ist die Hoffnung auf eine neue, g'ttliche Offenbarung stärker. Darum steht: 'Dieser Monat sei für euch...', das heisst, diese Führungsweise durch Erneuerung der Schöpfung ist nur für euch bestimmt. Gerade der Monat Nissan ist dazu geeignet, als erster Monat eine übernatürliche Weltordnung in Erscheinung treten zu lassen.

Zu erst und an erster Stelle - Obwohl die festgesetzten Naturgesetze der Schöpfung auch für Israel gegeben wurden, und ihre Wege für sie ebenso zugänglich sind wie für andere Völker und sie so ihr Leben erfolgreich gestalten können, so hat für Israel doch das Erscheinen von Wundern und übernatürlichen Geschehnissen mehr Bedeutung als die natürliche Führung der Welt. Dies ist auch der Sinn der Worte: 'Es sei der erste für euch von den Monaten des Jahres', d.h. der Chodesch - der Monat - im Sinne von Chadasch - neu - hat für euch den Vorrang und soll wichtiger sein als Schana - das Jahr, in der Bedeutung von Jaschan - alt. Israels Überlebenskraft und seine Tapferkeit die es in allen Generationen bewiesen hat, sind nur verständlich, wenn man darin G'ttes Eingreifen durch Wunder und Übernatürliche Geschehnisse erkennt. Als der Heilige, gelobt sei Er, ihnen am Sinai erschienen ist, hatte Er gesagt: 'Ich bin der Ew'ge, euer G'tt, der euch aus dem Lande Ägypten herausgeführt hat.' Er sagte nicht 'der euch geschaffen hat und der euch herausgeführt hat.' Es ist, als ob Er damit ausdrücken wollte, dass Er das weniger Wesentliche nicht zu erwähnen braucht, sondern nur dem grossen Ereignis Bedeutung zumisst.

Lachem, Awurchem - Für euch um euretwillen - Beim Auszug aus Ägypten hat G'tt alle bestehenden Regeln der Natur verändert, um Seine Stellung als Schöpfer der Welt zu beweisen. Er wollte zeigen, dass alles nach Seinem Willen geschehe, und dass Er die Welt Israel zuliebe, um ihretwillen geschaffen habe. Als nun G'tt durch Änderungen der Naturgesetze Seine grosse Macht zeigen wollte, so tat Er dies für Israel, Sein Volk. Wohl hätte Er die Erlösung Israels auch durch natürlich Mittel durchführen können. Auch hätte Er Sein Volk ohne die Knechtschaft in Ägypten zum Ziele führen können. Doch das Exil war notwendig, um Israel und der ganzen Welt klarzumachen, dass die ganze Weltordnung, ihre Gesetze und alle in ihr waltenden Kräfte dem g'ttlichen Willen allein unterstellt sind, und dass Er um Seines Volkes willen ändern kann. Darum steht: 'Dieser Monat sei für euch...', um euretwillen ist die Weltordnung durch Wundertaten und übernatürliche Ereignisse erneuert worden, damit ihr steigt und euch erhebt, so wie auch Mein Name in der Welt erhaben ist.

Nur die Tora ist Quelle der Erneuerung - Wie unterscheidet sich das Volk Israel von allen anderen Nationen? Um seinetwillen veränderte der Heilige, gelobt sei Er, der Welten Lauf, damit Er es zur Erlösung führen kann. Er gab ihm ausserdem die Kraft, Umwälzungen der Natur zu bewirken, und dies zu jeder Zeit. Aber steht denn nicht geschrieben: 'Es gibt nichts Neues unter der Sonne'? (Kohelet 1, 9) G'tt hatte es aber vorausgesehen, dass einst Israel die Tora empfangen und in ihren Wegen wandeln würde. Darum gab Er ihm diese Kraft und diese Würde, für die sich immer wieder Wunder erneuern. Die Tora bestand ja schon vor der Erschaffung der Welt, und somit ist sie höherstehend als alle anderen Schöpfungen. Unter der Sonne gibt es also nichts Neues, aber darüber, in der Tora, ist immer Neues zu finden.

 

Nissan

Drei Namen hat dieser Monat: Anfang der Monate - der erste Monat, Chodesch Haawiw und Nissan. In der Tora wird er als 'der erste Monat' erwähnt, denn er ist der erste der Monate des Jahres. Er wird auch Chodesch Haawiw - Frühlingsmonat - genannt, denn in diesem Monat spriessen alle Pflanzen und alles erwacht zu neuem Leben. Die Welt wird in ihm mit Reichtum und neuer Kraft bedacht.

Der Name Nissan ist babylonischen Ursprungs. Die Juden führten diesen Namen ein, als sie aus dem babylonischen Exil zurückkehrten. Auch dieser Name bedeutet 'Frühling', denn Nissan ist ähnlich wie Nizan und dies bedeutet 'Knospe', so wie es in Schir Haschirim heisst: 'Hanizzanim Niru Baarez - die Knospen werden im Lande sichtbar.' Die Weisen der späteren Zeit fanden in dem Wort 'Awiw' eine Andeutung: Aw-iw(12), - der Buchstabe Jud hat den Zahlenwert 10 und Bejt den Zahlenwert 2. Iw ergibt den Zahlenwert: 12 - Vater der 12 (Monate).

Das Sternzeichen des Monats ist der Widder, und dies erinnert an 'Seh Lewejt Awot - ein Lamm für jedes Haus', welches von Israel für das Pessachopfer gefordert wird.

Noch bevor Israel das Gebot erhalten hatte, ein Lamm für das Opfer im Nissan zu nehmen , hatten andere Völker, und hauptsächlich Ägypten, den Widder als Symbol für die Kraft dieses Monats erkoren. In diesem Monat ist das Sternbild eines Widders deutlich am Himmel sichtbar; Widder als Sinnbild von Reichtum werden in der heiligen Sprache auch 'Aschtarot' genannt. Dies bedeutet, dass sie ihre Besitzer bereichern - Maaschirot Et Baalejhem. Nissan ist Quelle des Segens und des Lebens für das ganze Jahr.

Die Ägypter, deren ganzes Lebensziel nur Reichtum und Körperkraft war, sahen den Widder als Gottheit an, verbeugten sich vor ihm und beteten ihn an. Doch Israel, das sich G'tt zuwendet, erhielt den Befehl, die Gottheit der Ägypter, ihrer Herren, als Opfer darzubringen. Nur G'tt allein kann Reichtum und Kraft spenden. Sowohl für die Ägypter als auch für Israel ist der Widder das Sternzeichen des Monats Nissan. Doch für Israel ist es ein Symbol des G'ttesdienstes, für die Ägypter aber des Götzendienstes.

Den Vers 'Ziehet und nehmet euch Schafe für eure Familien und schlachtet das Pessachopfer' (Schemot 12, 21) erklären unsere Weisen: 'Ziehet eure Hände vom Götzendienst weg, nehmet euch Schafe, schlachtet die ägyptischen Götter und bringet ein Pessachopfer.' (Schemot Rabba 16) Ziehet euch vom Götzendienst zurück und haltet an den Mizwot fest. (Jalkut Bo 206)

Der Monat Nissan hat immer 30 Tage und nur einen Tag Rosch Chodesch.

 

Die Mizwa, Nissan als den ersten Monat zu zählen

So schreibt Ramban: ' Dieser Monat sei euch der Anfang aller Monate' bedeutet, dass beim Aufzählen der Monate Israel mit Nissan beginnen soll, Ijar, der Zweite usw., so dass beim Nennen der Monate das grosse Wunder des Auszuges stets in der Erinnerung wachgehalten wird. Darum haben die Monate in der Tora keine Namen, sondern es heisst: 'Im dritten Monat' oder 'Es war im zweiten Jahr, im zweiten Monat als die Wolke sich erhob' oder 'Im siebten Monat, am ersten des Monats' und viele andere Beispiele.

Ähnlich ist es beim Aufzählen der Wochentage, die immer Bezug auf den Schabbat haben, um ihn in Erinnerung zu bringen. So soll auch der Auszug aus Ägypten und die Befreiung beim Aufzählen der Monate uns immergegenwärtig bleiben.

Der eigentliche Jahresanfang beginnt mit dem Monat Tischri. 'Und das Fest des Einsammelns bei der Jahreswende' und 'Wenn das Jahr zu Ende geht.' Doch nennen wir Nissan den ersten und Tischri den siebten Monat, weil wir damit ausdrücken wollen, dass Nissan der erste der Befreiung ist.' (Ramban zur Tora, Schemot 12)

Nach einer Auffassung ist es nicht richtig, für Dokumente und amtliche Papiere die nicht-jüdischen Monate mit 1. ,2. ,3. usw. zu bezeichnen, weil uns die Tora vorschreibt, Nissan den ersten zu nennen. Kein anderer Monat als der Nissan soll erster Monat genannt werden. So sollte man die nichtjüdischen Monate mit ihren Namen Januar, Februar, März usw. erwähnen.

 

Feiertage

Im Monat Nissan fastet man nicht, ausser am ersten, zehnten und sechsundzwanzigsten des Monats, die Fasttage für Zaddikim - Gerechte - sind. Auch das Fasten der Erstgeborenen am Erew Pessach ist natürlich gestattet. Braut und Bräutigam fasten an ihrem Hochzeitstag, sogar am Rosch Chodesch. Auch nach einem bösen Traum hat man das Recht, zu fasten. Im Monat Nissan werden für die Verstorbenen keine Trauerreden gehalten, ebenso wird kein Zidduk Hadin - Anerkennung von G'ttes Gerechtigkeit - , das bei Trauerfällen gesprochen wird, gesagt. Auch Gedächtnisfeiern für Verstorbene werden keine abgehalten, ausser am letzten Tag Pessach. Wir sagen weder Tachanun, noch Aw Harachamim am Schabbat vormittag und auch kein Zidkatcha Zedek am Nachmittag, denn dieser Monat ist geweiht, und all seine Tage sind wie Feiertage.


Der Grund, warum man Tachanun beim Gebet aus lässt ist folgender: Während der ersten 12 Tage des Monats Nissan brachten die Stammesfürsten ihre Opfer zur Einweihung des Altars dar, und so war jeder Tag ein Festtag für den Darbringenden. Die darauffolgenden Tage sind Erew Pessach und Pessach selbst, darauf folgt Issru Chag, der Tag nach jedem Regel - Wallfahrtsfest. Da nun die meisten Tage des Monats geweiht sind, wird der ganze Monat als heilig betrachtet.


Im Traktat Sofrim lesen wir: Es war Sitte unserer Lehrer aus dem Westen - Erez Jisrael - an drei verschiedenen Tagen zu fasten. Dies in Erinnerung an die drei Fasttage von Mordechai und Esther, und zwar nach Purim am Montag, Donnerstag und wieder am darauffolgenden Montag. Warum fasteten sie nicht im Monat Nissan, an denen die Ereignisse stattgefunden hatten? Dies aus den obenerwähnten Gründen: Errichtung des Heiligtums und Darbringung der Opfer der Stammesfürsten. Wenn einst das Bejt Hamikdasch wieder aufgebaut wird, geschieht dies auch im Nissan, so wie es heisst: 'We'ejn Kai Chadasch Tachat Haschamesch - Es gibt nichts Neues unter der Sonne'. (Kohelet 1/9) Es wird also während des ganzen Monats Nissan kein Tachanun gesagt und nicht gefastet, bis der Monat zu Ende ist. Eine Ausnahme bildet das Fasten der Erstgeborenen am Erew Pessach. Einige fasten auch an diesem Tag, damit sie die Mizwa des Mazza-Essens mit mehr Genuss erfüllen können.

 

Nissan - ein segenbringender Monat

'Geht man im Nissan hinaus in die Felder oder in den Garten und sieht blühende Bäume und springende Knospen, sagt man folgenden Segensspruch: Gesegnet seist Du Ew'ger, unser G'tt, König des Alls, in dessen Welt nichts fehlt, und der schöne Geschöpfe erschaffen hat, schöne und gute Bäume, um die Menschen daran zu erfreuen.' (Rambam, Hilchot Berachot, Kap. 10) Diese Beracha sagt man nur über Bäume mit essbaren Früchten und nicht über andere Baumarten. Sieht man diese Bäume in anderen Monaten, kann man auch diese Beracha sagen, jedoch sind manche der Meinung, diese Beracha sollte man nur im Nissan sagen.

Am Schabbat wird diese Beracha nicht gesagt, auch nicht an Feiertagen, sondern nur an einem Wochentag, und auch dann nur, wenn man mindestens zwei Fruchtbäume sieht, die schon nach den drei Jahren der Orlazeit blühen. Man sagt diese Beracha nur einmal im Jahr. Sieht man den Baum erst, wenn die Früchte schon an ihm reifen, so gibt es verschiedene Auffassungen: Manche sagen, man soll die Beracha machen. Andere behaupten, es sei nicht nötig, da man sowieso über alle Sorten von Früchten eine besondere Beracha beim Essen dieser Früchte sagt, und man ja auch 'Schehechejanu' - Segensspruch über eine neue Frucht - schon beim ersten Anblick der Frucht vor dem Genuss sagt. Bei jedem Zweifel über eine zu sprechende Beracha wird für die erleichternde Dezision entschieden.

 

Birkat Hachamma - Der Segensspruch über die Sonne

Birkal Hachamma - ein Segensspruch über die Sonne, der nur alle 28 Jahre gesprochen wird, wird nur im Monat Nissan gesagt.

Es lehren unsere Weisen: Sieht man die Sonne, wenn Sie an ihrem Wendepunkt ist, den Mond in seiner vollen Kraft, die Sterne in ihren Umlaufbahn und die Sternbilder in ihrer Ordnung, sagt man: 'Baruch Osse Bereschit - Gesegnet sei, der das Schöpfungswerk vollbringt.' Wann kommt dies vor? Abbaje sagt: Alle 28 Jahre. (Traktat Berachot 59b).

Wir pflegen diesen Segensspruch nur über die Sonnenwende zu sagen, denn diese Zeit kann von jedermann berechnet werden. Die anderen obenerwähnten Naturerscheinungen können nur durch Experten genauestens festgestellt werden, und so ist die Halacha. Gesetzesentscheidung - dass man die Beracha nur bei der Sonnenwende macht.

Rambam formuliert dies in Hilchot Berachot Perek 10 so: 'Wer die Sonne bei ihrer Wende im Nissan sieht, am Anfang des Achtundzwanzig-Jahre-Zyklus, am frühen Dienstagabend, sagt die Beracha am Mittwochmorgen, wenn man die Sonne sehen kann.' Der genaue Wortlaut der Beracha ist: Baruch Ata Haschem Elokejnu Melech Haolam, Osse Maassej Bereschit. Diese Beracha wird gesagt, wenn die Sonne voll aufgegangen ist, und man sie richtig sehen kann. Also nicht bei Beginn des Sonnenaufgangs. Man kann die Beracha bis zur dritten Stunde des Tages sagen. Doch wenn es nicht anders möglich war, bis zur Tagesmitte. Manche sind mit letzterem nicht einverstanden, und bestehen auf der dritten Stunde, später dann nur ohne Erwähnung des g'ttlichen Namens und ohne Erwähnung von G'ttes Königtum - Schem Umalchut.

Ist die Sonne durch Wolken bedeckt, bestehen Meinungsverschiedenheiten darüber, ob die Beracha gesagt werden kann.

Man sollte diese Beracha in Gemeinschaft mit möglichst vielen Menschen machen. Doch wenn man befürchtet, dass die Sonne bedeckt sein könnte, bevor man die Leute versammeln kann, sagt man sie alleine.

Frauen brauchen diese Beracha nicht zu sagen, denn in den Tagen des Propheten Jirmijahu brachten Frauen Räucherwerk für 'die Königin des Himmels' (die Sonne) dar, und so könnte man meinen, dass sie auch heute Sonnenverehrung treiben.

Es ist Sitte, am Vorabend der Sonnenwende die Leute darauf aufmerksam zu machen, dass man am nächsten Morgen bei Nez Hachamma - Sonnenaufgang - zu Schacharit und zu Birkat Hachamma aufstehen soll. Wenn das Morgengebet früh am Morgen - Tefillat Watikin - beendet ist, geht die ganze Gemeinde ins Freie um die Beracha freudig gemeinsam zu sagen. Dann singt man Lieder und Lobgesänge, sowohl vor als auch nach der Beracha und beendet mit' Modim Anachnu Lach Sehehechejitanu - wir danken Dir, dass Du uns am Leben erhalten hast...'

DruckenE-Mail

Jüdisches Leben in Zürich

jewish-zuerich

Jüdisches Leben in Zürich

Koschere Hotels

hotelinberge

Koschere Hotels