Adar Scheni
/Paraschat Zav


Raw Frand zu Paraschat Schemot 5779 - (Beitrag 2)

Der Unterschied zwischen "Melacha" und "Awoda"

Es wird berichtet, dass Pharao negativ reagierte, nachdem Mosche (Moses) zu ihm gekommen war und ihn gebeten hatte, die Juden freizulassen. Der König befahl den Aufsehern das Stroh für die Ziegelsteine zurückzuhalten und verlangte, dass die Sklaven sich das notwendige Stroh selbst beschafften.

Pharaos Befehl scheint nicht sehr klug zu sein, wenn es ihm einzig darum ging, die Sklaven zu doppelter Arbeitsleistung zu zwingen. Vielmehr hätte er die Zahl der Ziegelsteine, die sie pro Tag zu verarbeiten hatten, verdoppeln sollen. Damit hätte er sein Ziel, die Juden doppelt so hart arbeiten zu lassen, auch erreicht und gleichzeitig daraus noch Nutzen gezogen.

Pharao war inmitten eines Bauprojektes. Er wollte Vorratsstädte bauen. Sogar, wenn es ihm darum ging, seine Arbeiter zu quälen, hätte er es auf eine Weise tun können, die ihm den grösstmöglichen Nutzen gebracht hätte. Pharao schoss sich selbst in den Rücken, wenn er die Schraube dadurch anzog, dass er kein Stroh mehr lieferte.

In Wirklichkeit war Pharaos wahres Ziel den Juden "Awodat Perech" – nutzlose Arbeit – aufzuerlegen. Die Juden mussten Arej Miskenot (Vorratsstädte) bauen. Die Namen der Städte waren Pitom und Ra’amsejs.

Im Talmud [Sota 11a], wie auch im Midrasch Rabba hier werden diese Namen wie folgt erklärt: «Pitom – Pi Tehom» (Schlund der Tiefe), «Ra’amsejs – Mitrossejs» (zusammenbrechen).

Die Städte waren wie auf Treibsand gebaut. Kaum waren die Städte teilweise gebaut, begannen sie zu versinken oder fielen in sich ein und die Juden mussten von neuem beginnen. Pharaos Hauptinteresse galt nicht dem Bauprojekt; er wollte vor allem den Mut der Menschen brechen. Der beste Weg, den Mut eines Menschen zu brechen ist, dafür zu sorgen, dass er absolut kein Erfolgserlebnis für alle seine Bemühungen erhält. Nichts ist niederschmetternder als das.

Es wird von einem Gefangenen in einem sowjetischen Arbeitslager erzählt, der ein Rad drehen musste, das eine Getreidemühle in Gang hielt. Tag für Tag, Jahr für Jahr, drehte der Gefangene dieses Rad, von dem er dachte, dass es zumindest Getreide mahlte. Eines Tages führte man

ihn herum und zeigte ihm: Auf der anderen Seite der Wand, an der sein Rad befestigt war, war… nichts. Der Gefangene war am Boden zerstört, weil er erkannte, dass seine ganze Mühe der vergangenen Jahre vergeblich gewesen war.

Das ist die Bedeutung von "Awodat Perech": Arbeit, Arbeit, Arbeit … für nichts.

In Laschon Hakodesch, der heiligen Sprache, gibt es einen Unterschied zwischen dem Wort "Awoda" und dem Wort "Melacha". Melacha (das zum Beispiel für die am Schabbat verbotenen Arbeiten gebraucht wird) bedeutet konstruktive Arbeit. Awoda bedeutet vor allem Bemühung, die nicht unbedingt etwas erreicht.

Wir Juden müssen genau auf diesen Unterschied achten und dafür sorgen, dass unsere Arbeit Melacha und nicht Awoda sei. Der Talmud [Bejzah 16a] bemerkt: "Diese dummen Babylonier essen Brot mit Brot." Die Ba'alej Mussar (Ethiklehrer) legen diese Gemara im übertragenen Sinne aus. Sie verstehen darunter nicht, dass sie sich zu einer Mahlzeit setzten, um ein Brotsandwich mit einer Scheibe Weissbrot zwischen zwei Scheiben Vollkornbrot zu verspeisen. Sie meinen, dass sie so für ihr Brot arbeiteten, damit sie dadurch noch mehr Brot erwerben konnten. Brot war Mittel und Zweck ihres Lebens. Sie arbeiteten für ihren Lebensunterhalt und lebten ausschliesslich für ihren Lebensunterhalt.

Wenn das alles ist, worum sich das Leben dreht – am Morgen zur Arbeit aufstehen, damit er zu essen hat, damit er am nächsten Morgen weiterarbeiten kann, usw. – so ist dies zum Durchdrehen. Dies ist nicht "Melacha" (konstruktive Arbeit), dies ist "Awoda" (nutzloses Abmühen). Der Sinn des Lebens muss mehr als das sein, mehr als nur für den Lebensunterhalt zu sorgen.

Ein Jude kann aus diesem Kreislauf ausbrechen. Freilich, wir müssen alle unseren Lebensunterhalt verdienen, aber wenn ich positive Aufgaben in diesen Kreislauf einbaue – "Ich verdiene meinen Lebensunterhalt, damit ich Gebote erfüllen, Torah lernen und anderen helfen kann" – dann gewinnt dieser Kreislauf Sinn. Damit erheben wir den Erwerb des Lebensunterhalts zu etwas Höherem und verdammen ihn nicht zum ständigen Kampf ums Überleben.

Elternschaft kann ebenfalls einem sinnlosen Kreislauf gleichen. Wenn jemand am Morgen die Spielsachen aufräumt, nur um die gleichen Spielsachen am Nachmittag wieder überall zerstreut zu finden, sie dann am Abend aufräumt und sie am nächsten Morgen wieder zerstreut vorfindet; wenn jemand die Windeln des Kindes wechselt und sie wenige Stunden später wieder schmutzig sind, könnte man, G'tt behüte, eher Awoda statt Melacha spüren.

Die Voraussetzung, dass Kinder sich entwickeln und lernen können und dass das Geistige in einem Haus zur Blüte kommt, ist zuallererst ein funktionierender Haushalt. Alle Mühen, die vollkommen sinnlos erscheinen und die immer wiederkehrenden Arbeiten machen viel mehr Sinn, wenn man erkennt, dass die Bemühungen lebenswichtig sind, um einen Haushalt aufrecht zu erhalten. Einen Haushalt zu führen, ist klar eine wichtige Errungenschaft. Dies ist keine Awoda (nutzlose Bemühung); dies ist eine Melacha (konstruktive Arbeit).

Rabbi Ze'ev Leff zeigt folgende Einsicht aufgrund der Methode von A"T BA"SCH.  Das bedeutet, dass wir den ersten Buchstaben Alef mit dem letzten Buchstaben Taw wechseln, den zweiten Buchstaben Bet mit dem zweitletzten Buchstaben Schin, usw.  Auf diese Weise ergeben die Buchstaben "Perech" «Pej, Rejsch, Chaf» (im Satz 1:13 und 1:14, «Perech» = "zermürbende Arbeit") in A"T BA"SCH «Waw, Gimel, Lamed» den Zahlenwert 39. 39 symbolisiert somit bei Verwendung der A"T BA"SCH-Umwandlung das Gegenteil von sinnloser Arbeit, also konstruktive Arbeit. Und wirklich: 39 ist die Zahl der spezifischen, konstruktiven Arbeiten, die am Schabbat verboten sind.

[Anmerkung des Herausgebers: Im Talmud [Traktat Pessachim 117b] bringt Tossafot den Grund, warum das jüdische Volk beim Auszug aus Ägypten die Schabbat-Gesetze, die das Verbot der 39 Melachot beinhalten, erhalten hatte, weil in A"T BA"SCH das Wort "Perech" 39 beträgt.]

Wir können unseren Bemühungen, unseren Bestrebungen und unserer Arbeit Sinn verleihen, indem wir sie zu einem konstruktiven Zweck ausführen und indem wir die Lebenszeit, die G'tt uns in dieser Welt zugeteilt hat, richtig gebrauchen.

Quellen und Persönlichkeiten:

  • Rabbi Ze'ev Leff: Rabbi und Rosch Jeschiwa im Moschav Matitjahu, Israel.
  • Rav Nissan Alpert:(1927–1986) Rav der Agudah Long Island in Far Rockaway und Lehrer an der Jeschiwat ‚Rabbenu Jitzchak Elchanan‘. Er war einer der herausragendsten und prominentesten Schüler von Rav Moshe Feinstein und verschied kurz nach Rav Mosche Feinstein im Jahr 1986.

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Die Bearbeitung dieses Wochenblatts erfolgte durch Mitarbeiter des Jüfo-Zentrums in Zürich

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